Oleg     
Liv Killing


Oleg trinkt Tee.
Wie an viele Tagen hat er sich gegen Mittag aus seinem eigenen Geschäft, das direkt gegenüber liegt, einem kleinen Laden in dem er Stoffe und Kleidung verkauft, in ein Lokal auf der gegenüberliegenden Seite der Eisenacher Straße begeben.
Vor ihm steht ein Teller mit gemischten arabischen Spezialitäten. Ab und zu isst er etwas, die meiste Zeit allerdings beobachtet er die anderen Gäste.
Liv hat er schon gesehen, bevor sie den Laden betreten hat, als sie aber schließlich die Tür öffnet, mustert er sie noch einmal aufmerksam von Kopf bis Fuß.
Sie schaut sich ebenfalls um, läuft zum Tresen, bestellt etwas und setzt sich an einen freien Tisch ihm gegenüber.
Nach einiger Zeit kreuzen sich ihre Blicke, schließlich setzt sie sich zu ihm und erklärt ihm unser Projekt. Der bärtige Mann in weiß hört zu, nickt und beginnt zu erzählen. Oleg spricht mit angenehmer, tiefer Stimme, die fast auf seine äußere Erscheinung zugeschnitten zu sein scheint.
Er erzählt ihr davon, wie er mit der arabischen Kultur in Kontakt gekommen ist, davon was für ihn hinter diesem Sammelbegriff steckt.
Definitiv weit mehr als die kulinarischen Aspekt, mehr als Falafel und Halloumi, soviel wird schnell klar.
Oleg erzählt Liv von seiner Frau, von den 3 Kindern die Sie mit in ihre gemeinsame Ehe gebracht hat, die er mittlerweile wie seine eigenen behandelt und von dem Flüchtling, den seine Frau und er vor einigen Monaten adoptiert haben. Er erzählt wie er durch dieses Umfeld die Traditionen und Bräuche, insgesamt die Heimat seiner Nächsten näher kennengelernt durfte. Auch in seinem Laden findet man diesen Einfluss leicht wieder, in seinem Sortiment führt er viele orientalische Stoffe, gerade die prunkvoll verzierten zählen zu seinen Liebsten.
Heute ist der Orient, der Ort der aufgehende Sonne, für ihn Ankerpunkt und Inspirationsquelle gleichermaßen.
Als Oleg schließlich aufsteht, weil seine Mittagspause beendet ist, wird es bereits dunkel. 


   
Mark
Mark