1973 & 2019   
Alissa Al-Bahra

   
    Bild I ist während des Verfassens dieses Textes fast 50 Jahre alt. Aufgenommen wurde es Anfang der 1970er Jahre in Syrien. Es zeigt Oma, Vater und Onkel von Alissa. Früher hat sie viele ihrer Verwandten aufgrund der großen räumlichen Distanz nur einmal im Jahr gesehen, meist an Weihnachten.
Sie selbst ist in Berlin geboren und ein großer Teil ihrer Familie wohnt heute ebenfalls hier, die meisten ihrer näheren Verwandten sind mittlerweile nach Deutschland immigriert.
Syrien haben sie verlassen, weil sich Teile ihrer Familie kritisch gegen das, heute immer noch herrschende Regime der Baath-Partei äußerten. Von Teilen der konservativen Gesellschaft die den Präsident unterstützen, wurden sie deshalb geächtet, von Seiten der Obrigkeit systematisch ausgegrenzt. Mitglieder ihrer Familie studierten, hatten aber nach Abschluss des Studiums Schwierigkeiten Arbeit zu finden. Seit Beginn des Bestehens der Syrischen Arabischen Republik kam es außerdem vermehrt zu bürgerkriegsähnlichen Szenarien, weshalb sie sich nach und nach dazu entschlossen das Land zu verlassen.

Heute braucht Alissa etwa 15 Minuten um zu ihrer Oma zu fahren und auch ihr Onkel wohnt nur knapp eine Stunde entfernt. Das zweite Bild hat sie dort im November 2019 fotografiert, es zeigt die Kinder ihres Onkels mit seiner Frau.
Obwohl beide Kinder in Berlin geboren sind, zeigen ihnen ihre Eltern, was arabische Kultur für sie ist. Sie lernen die arabische Sprache, lernen arabischen Essen zu genießen und kommen mit Traditionen und Festen in Kontakt. Kultur schafft für sie ihre Identität.
Dies zeigt, dass  Kultur nicht auf geographische Räume beschränkt werden kann, sondern vielmehr etwas ist, das von Generation zu Generation weitergegeben wird. Sie lässt sich nicht Einschränken, weder durch politische Systeme, noch durch Ländergrenzen. Für Alissa und ihre Familie ist Kultur etwas unglaublich komplexes und lebendiges, etwas das von Menschen weitergetragen und stetig verändert wird und deshalb auch ohne sie nicht existieren kann.







Mark
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